Loire Radweg, von Orleans nach Ancenis – über Blois, Tours, Saumur und Angers
Loire Radweg, von Orleans nach Ancenis – über Blois, Tours, Saumur und Angers
Aus dem Rheinland angereist ist sehr schnell klar, französische Autobahnen haben keine Baustellen die Stau verursachen, sondern Mautstellen, die das genau so gut tun. Paris sollte umfahren werden um Stunden des praktizierten Verkehrschaos zu vermeiden. In Orleans angekommen, wurde ich von einem netten Städtchen belohnt, allerdings auch ohne weitere Höhepunkte. Die Geschichte der allgegenwärtigen Jeanne d’Arc beeindruckt, die Kathedrale dunkel und gross und die Gassen laden in Loire-nähe zum bummeln ein. In Orleans, wie auch während der gesamten Fahrt, wunderte ich mich aber immer wieder, warum die Franzosen die Loire nicht nutzen und in Ihr Freizeitleben einbinden. Der Fluss ist nicht schiffbar aber darf er deshalb nicht genutzt werden? Kaum Cafes und Restaurants am Ufer, selten Gelegenheit für Entspannung oder gar Uferpromenaden in den Städten und Dörfern.
Radwege-Qualität und Beschilderung
Die Wege der Radreise waren allesamt in gutem Zustand, wenn auch nicht immer besonders gut ausgeschildert. Hierbei sind regionale Unterschiede erkennbar, ein Zeichen dafür, welche Region sich durch EU- Antragsgelder-Formulare gearbeitet hat und seine Loire-Kilometer fleißig beschilderte oder eben nicht. Unser Bike Line war mehr als nur einmal ein nützlicher Helfer. Der Gegenwind war dagegen oft unser Leid. Die Radwege führen teilweise auf ruhigen Landstrassen, teilweise auf kleinen Wegen direkt an der Loire, oder auch auf manchem Single-Trail. Obwohl wir mit Mountainbikes unterwegs waren, ist die gesamte Strecke auch sehr bequem mit Tourenrädern zu fahren. Aufgrund einiger Hügellandschaften ist eine Gangschaltung mit min. 7 Gängen ratsam, es dürfen aber auch mehr sein. Die Landschaft plätschert wie der Fluss wunderschön entlang des Weges. Obwohl Anfang Juli und ich bereits auf Hochsaison eingestellt war, ist entlang des Weges kaum Radverkehr. Zwischen den Schlössern sieht man häufiger organisierte Radtouren, deren Teilnehmer am Abend vom Bus wieder eingesammelt werden.
Wir verließen die Loire das ein und andere Mal, um die Gelegenheit zu nutzen, von den vielen kleinen Nebenflüssen eingefangen zu werden. Dabei lernten wir die Weinberge und ausgedehnte Wälder, kleine Dörfer und phantastische Bäckereien und Metzgereien entlang des Weges kennen, die uns mit den leckersten Köstlichkeiten versorgten. Man sitzt zwar den halben Tag auf dem Rad, aber an Gewichtsreduzierung ist nicht zu denken.
Als Tipp gebe ich auf den Weg, die Strecke zu genießen und nicht jedes Schloss besichtigen. Es gibt so viele davon. Ein Schloss am Tag ist genug und mehr als fünf sollten es insgesamt nicht sein. Meine Top-Favoriten waren:
Highlights:
Villandry (nur der Garten), Chenonceau dem Fluss Cher, das Clos Lucè in Amboise wo Leonardo da Vinci lebte, und das gewaltige Chambord. Alle Burgen, Schlösser und Palais, die hier nicht erwähnt werden habe ich entweder nicht besucht oder vielen meinem internen Qualitäts- und Zeitmanagement zum Opfer. Man sehe es mir nach.
Unterkunft, Chambres d’hotes (die heimlichen Highlights)
Auf unserem gesamten Weg hielten wir zum Abend immer Ausschau nach einem Chambres d’hotes, der französischen Variante von Bed & Breakfast. Die Häuser liegen oft am Wegesrand oder ein Hinweisschild weist den Weg dorthin. Dieser kleine Umweg lohnt immer! Fanzösische Hotels (wir mussten 2 mal darin übernachten, weil kein Chambres d`hotes am Ort war) der 50 € Preisklasse sind spannend wie Rauhfasertapete. Oft günstiger, immer originaler und garantiert liebenswerter kommt man in den Chambres D’hotes unter. Die Unterkünfte sind vielfach in alten Gutshäusern, Höfen oder feinen Stadthäusern untergebracht und hatten soweit ich das beurteilen kann, immer liebenswürdige Gastgeber. Die Übernachtung für rund 50 € / Doppelzimmer enthält natürlich immer ein Frühstück, dass allerdings ebenfalls Ur-französisch ist – Kaffee, Baguette, Marmelade – wenn die Marmelade auch meist hausgemacht. In einigen Unterkünften wird zusätzlich ein Abendessen angeboten, was auf keinen Fall verpasst werden sollte. Die 15 bis 25 € sind gut angelegt und vielfach Garant für einen feuchtfröhlichen Abend mit bester französischer Hausmannskost, viel vin rouge und netten Gastgebern am Tisch. Als Gast ist man Teil der Familie und alle sitzen mit am Tisch.
Von den vielen Stationen auf unserem Weg möchte ich folgende herausheben:
Von Orleans ging der Weg über das hübsche Beaugency in Richtung Blois. Die Übernachtung in Fleury im Chateau de la rue. In einem kleinen Chateau mit zauberhaftem Garten bei der liebenswerten Veronique, die über die 5 Zimmer waltet. Ausserdem ist an diesem Ort die original französische Küche zu Hause, die niemand auf dem Weg nach Blois verpassen sollte. Ein absolutes „must go“ auch wenn die Unterkunft mit 90 € das Doppelzimmer kein Schnäppchen ist und das Dinner mit 25 € oben drauf kommt. Dennoch war es jeden Cent wert und wir verlängerten dort um einen weiteren Tag. Blois selber ist ein richtig süsses Städtchen, bummeln, treiben lassen Cafe und Pastis trinken. Das Schloss ist eher bescheiden, im Vergleich zu den tollen die noch kommen werden. Schloss Chambord, das berühmteste aller Loire Schlösser ist ein optischer Traum. Auch wenn wir es nicht besichtigt haben, ist der Anblick bei einem Picknick im Schlossgarten den Besuch wert. Mit Glück erlebt man die Trainingsstunde der königlichen Reiter, auf der Wiese nebenan.
Das schönste aller Loire Schlösser war allerdings Chateau de Chenonceau. Dazu müssen wir die Loire verlassen und fahren querfeldein und ein wenig hügelig an den Nebenfluss Cher, über den das Schloss gebaut wurde. Traumhafte Architektur, phantasievoll eingerichtet (die Schönheit und Maitresse des Königs Diana von Poitiers hatte hier das sagen), tolle Führung und wunderschöne Gärten machten das Schloss zu meiner persönlichen Nr. 1.
Zurück an die Loire Richtung Amboise mit dem spannenden „Le Clos Lucé“ wo Leonardo da Vinci de letzten Jahre seines Lebens in kreativem Schaffen verbrachte. Im Schloss und im grossen Garten sind seine Erfindungen in Originalgrösse nachgebaut und versetzen den Besucher in eine andere Zeit. Zu empfehlen war hier auch das liebenswerte Chambres D’hotes La Grange.
In der Stadt selber war viel los, da die Tour de France tags drauf hier Station nahm und ich mich dem Tour-Fieber nicht entziehen konnte. Frankreich steht Kopf wenn die Tour kommt, Zehntausende kampieren an der Strasse um das Peleton für wenige Sekunden zu erblicken. Vorab zieht die sog. Caravane die Zuschauer genau so in den Bann. Eine Mischung aus Karneval und fahrenden Werbespots. Auf jeden fall rasten die Franzosen aus, wenn man Ihnen Minisalamis, Schlüsselanhänger und Aufkleber mit Tempo 50 aus vorbeirasenden Maskottchen-Fahrzeugen an den Kopf wirft. Verstehe wer will, aber die Stimmung war gut, genau wie die zahlreichen in Dorfkooperative aufgebauten Verpflegungsstationen entlang der Strecke.
Womit wir bei einem Fahrweg-Highlight der Tour wären. Aus Ermangelung an alternativen Routen und mit Erlaubnis der Gendamerie fuhren wir der Tour auf der Strecke entgegen, angefeuert von tausenden Zuschauern. Kurz vor der Caravane mussten wir die Strecke freigeben und genossen das Mannschaftszeitfahren, bei Picknick und vin-rouge. Erstaunlich, dass die Franzosen das Team-Telekom lieben und uns „ulle“ (Jan Ullrich) frenetisch anfeuern. Von Amboise schnell am (wahrscheinlich) schönen Tours vorbei, da wir grössere Städte meiden wollten und ich denke wir taten gut daran. Das gab uns mehr Zeit für den schönsten Garten der Loire, dem von Chateau de Villandry. Ein riesiger Gemüsegarten, kunstvoll gepflanzt, neben Ziergarten, Labyrinth, Heilkräutergarten und Wassergarten. Nicht verpassen!
Von Villandry aus folgt ein wunderschönes Stück entlang der Loire. Das Chateau Langeais und Azay le Rideau liessen wir passieren (man kann sich ja nicht jedes Schloss anschauen) auf dem Weg nach Chinon am kleinen Fluss Vienne. Chinon, ist ein überaus liebreizendes Städtchen und ein echter Geheimtipp, nicht nur der Weine wegen. Auf jeden Fall sollte es in Übernachtungsfragen den Vorzug gegenüber Saumur (einige Kilometer weiter und als Etappenziel geplant) erhalten, welches ein wenig enttäuschte und uns schnell wieder verliess.
Jedem ganz warm ans Herz legen möchte ich den Zwischenstopp in Candes St. Martin und Montsoreau, dort wo die „la Vienne“ in die Loire fliesst. Die Nacht und das Dinner im Chambres d’hotes „Les Visiteurs“ bei Bertille und Patrick Simon-Villan (T. 06 16 58 53 09) war zweifelsohne ein Highlight. Antike Unterkunft, romantisches Örtchen, unglaubliche Geschichten, Hausmusik und viel Rosé bis tief in die Nacht.
Bei der Fahrt durch die Weinberge viel uns wieder auf, dass die Winzer der Region sehr wenig auf Touristen eingestellt sind. Zwar gibt es überall Verkostungen aber eine Straussen- oder Besenwirtschaft wird vermisst (s. deutsche Weinbaugebiete). Der Weg von Saumur und Angers gehört wieder zu den schönsten Abschnitten, direkt am Ufer oder durch das leicht hügelige Hinterland. Wer Angers nicht besuchen möchte (wie wir) sollte hier erst gar nicht wie vorgesehen die Loire überqueren. In Murs Erigné fanden wir das zauberhafte Chambres d’hotes „Le Jau“.
Wieder auf gut ausgebauten Strassen und durch schnuckelige Dörfchen radelten wir Richtung Nantes. Allerdings brach die Zeit über uns herein und wir mussten die Tour nach 10 Tagen in Ancenis beenden damit unser kommendes Reiseziel, die Bretagne, rechtzeitig erreicht werden konnte. Über Ancenis, kann ich nicht viel Gutes berichten und es lohnt sich nicht wirklich hier einen Stopp einzulegen. Insgesamt schafften wir eine Strecke von rund 500 Km. In 8 Tagen auf dem Rad mit einem Schnitt von 60 -70 Km am Tag, was nicht viel aber ausreichend ist, möchte der Radler etwas von der Gegend mitbekommen.
Ich wünsche allen auf dem Loire Radweg viel Spass, es lohnt sich wirklich.
Thursday, 7. May 2009 at 13:43
Liebe Loire-Radfreunde!
Ihr Bericht gefällt mir sehr gut und wir werden ihn in unsere Reise
einbeziehen. Wir suchen in Orleans für 2 Wochen eine bewachten
Parkplatz. Können Sie uns etwas empfehlen?
Mit freundlichen Grüßen
Inge Vortmann
Thursday, 14. January 2010 at 16:15
Ja vielen Dank für die guten Tipps. Meine Freundinnen und ich haben bereits den Flug Anfang Mai 2010 nach Paris gebucht. Weiter nach Orleans geht es dann per Zug. Hier beginnt unsere Radtour, mit knappen 6 Tagen bis ….. keine Ahnung wie weit wir kommen. Jedenfalls sind Ihre Kommentare sehr hilfreich und steigern die Vorfreude. Ein Wermutstropfen sind die Preisangaben von 2005 – wie wird das im Jahr 2010 aussehen? Na ja, Picknick im Schlossgarten passt vom Stil hervorragend – natürlich mit einer guten Flasche Rotwein. Danke aus Wien!