Inn-Radweg & Etsch Radweg von Innsbruck übder den Gardasee nach Verona
Inn-Radweg – von Innsbruck nach Pfunds
Etsch Radweg – von Reschen über Meran, Bozen, dem Gardasee nach Verona
Der Traum eines jeden Radfahrers – einmal über die Alpen – so wie meiner, sollte diesen Sommer in Erfüllung gehen. Da ich mich allerdings keine 23.000 Höhenmeter auf steinigen Singletrails quälen wollte und zudem einen relaxten Urlaub mit meiner Freundin auf dem Programm stand, wählten wir die einfachste aller Alpen-Überquerungen bzw. –Durchquerungen.
Vom Start in Innsbruck am Inn entlang und der Quelle bis Pfunds entgegen fahren. Hier den Reschenpass erklimmen und ab dem Reschensee dem Etsch (Adige) bis nach Verona folgen. Klingt einfach, war es im Grunde auch, aber eins nach dem anderen.
An- und Abfahrt
Die Deutsche Bahn (wie auch die österreichische und die iatlienische Bahn) hat kein Herz für Radfahrer. Die Direktverbindungen (Nachtzug) aus dem Norden nach Innsbruck/Verona dulden keine Radfahrer, auch wenn die telefonische Auskunft der Radhotline wiederholt das Gegenteil behauptet hat. Hätte ich auf deren Rat gehört (nachdem ich bei insgesamt 5 Telefonaten über eine Stunde in der Warteschleife festhing) hätte ich zwar einen Schlafplatz im Zug, aber das Rad sollte ich per Kurier hinterherschicken. Die Österreicher nehmen erst gar keine Räder („Lohnt sich nicht“ sagte mir der Schalter-Beamte) mit und die italienische Bahn verbannt die Radfahrer auf die Nachtverbindungen (Verona-München um 01:01), als einzige Verbindung die Räder mitnimmt (Im Gepäckwagen wohlgemerkt, der mich ein wenig an die Züge in den Western-Filmen erinnert mit offenen Ladeflächen, Rolltoren und son’em Low-Budget für Vollzahler-Quatsch), obwohl alle 2 Stunden eine Verbindung geht.
Radfahrer sind Kunden zweiter Klasse, soviel steht fest und wir mussten für den Grossteil der Strecke wieder auf das Auto ausweichen.
Der Inn-Radweg
Unsere Radbegleiter waren wie in den Vorjahren die Radführer von bikline (www.bikeline.at) wobei die aktuellste Ausgabe von 2004 ist und einige Male nicht sehr aktuell war. Ab und zu war es besser, dass wir uns auf den Instinkt verlassen haben und lagen meist richtig. Der Radweg an sich ist sehr gut beschildert und verläuft in der Regel auf breiten Rad- oder Wirtschaftswegen. An die Inntal-Autobahn sollte man sich gewöhnen, besonders die Geräuschkulisse auch wenn sie nicht immer sichtbar ist. Die Landschaft Inntal und vor allem die optischen Eindrücke sind grossartig. Nette kleine Dörfer, gute Einkehrmöglichkeiten und auch in der Hochsaison keine Probleme eine Unterkunft zu bekommen.
Der Etsch Radweg
Das gute ist – es geht fast immer bergab mit Rückenwind auf meist breiten Rad-Autobahnen entlang des Flusses oder durch Apfelplantagen, kilometerweit. Alternative Routen (von Meran nach Bozen / von Bozen zum Kalterer See / von Mori nach Verona über den Gardasee) sind vorzuziehen, da es in der zweiten Hälfte des Radweges recht langweilig wird. Breite Radwege auf dem Deich am Fluss gegenüber der Autobahn lassen Entdeckergeist und Abwechslung auf der Strecke einschlafen. Einige Radfahrer,die wir trafen waren von dem zweiten Teilstück ebenso enttäuscht.
Unterkünfte
Während der ganzen Reise von Innsbruck nach Verona (500 Km an 9 Radtagen) haben wir die Erfahrung gemacht, dass der Standard Preis für ein Doppelzimmer mit Frühstück bei rund 45 bis 55 € liegt. Königliche Unterkünfte waren allerdings nicht dabei, das war letztes Jahr in Frankreich noch ganz anders (s. Reisebereicht Loire Radweg). In den touristischen Zentren wie Innsbruck, Meran, Bozen, Gardasee und Verona ist auch in der Hauptsaison immer ein Zimmer frei. Da die meisten keine bleibenden Erinnerungen hinterließen möchte ich weitgehend auf die Erwähnung verzichten, ausgenommen:
Verona / B&B al Quadrifoglio (http://www.alquadrifoglio.it) – sehr liebenswürdige Gastgeber, gute Zimmer im Zentrum mit leckerem Frühstück und vielen Tipps von Davide
Limone / Pension Bardolo – sehr einfach (nur ein Stern) aber günstig mit guter Küche und direkt am kleinen Hafen
Ein No Go war das otlleo in Rovereto was weniger ein Gästehaus als mehr ein Gefängnis ist, absolut nicht empfehlenswert
Steigungen ! Alpenüberquerung
Die Steigungen waren allesamt nicht besonders schwer und auch für leicht Geübte zu fahren. Die einzige größere Steigung ist der Reschenpass, allerdings sollte dieser über den Umweg durch die Schweiz / Martina gefahren werden. Das sind 10 Km mehr aber weitgehend autofrei. Die Passsteigung geht in 11 engen Kurven rund eine Stunde stetig bergauf. Hier stellt sich dann das einzige Mal echtes Tour de France Bergetappen feeling ein. Ab Pfunds (auch schon ab Landeck, aber dann wird die schöne Strecke nach Pfunds verpasst) fährt im Sommer 3 mal täglich ein Radbus der problemlos Räder auf dem Anhänger mitnimmt, für diejenigen die diese ordentliche Bergfahrt lieber meiden möchten.
Start in Innsbruck
Beginnen wir in Innsbruck. Eigentlich ein sehr übersichtliches, sehr feines zu Fuss-Städtchen, mit Kultur-Highlights im Überfluss. Der allgegenwärtige Kaiser Maximilian hat vor einigen Hundert Jahren den Grundstein für die pitoreske Altstadt zwischen Inn und Hofburg gelegt. Dennoch hat sich Innsbruck neben dem touristischen Grossbetrieb, einen eigenen und jungen Charme bewahrt. Hier ist viel los, neben traditionellen Cafe-Häusern viele Kneipen, Bars und Restaurants.
Übernachtet haben wir im B&B Nepomuks (www.nepomuks.at). Ein wenig lieblos aber mitten im Zentrum. Für den Juli möchte ich noch die klassischen Promenaden-Konzerte (www.promenadenkonzerte.at) im Innenhof der Hofburg empfehlen und am Abend das Hofgartencafe (http://www.hofgarten.net ) als Möglichkeit ein wenig länger draussen zu sitzen. Eine Gondelfahrt zum Patscherkofel und Spaziergang zur Hochmahdalm gibt schon einen Vorgeschmack auf den kommenden Winterurlaub.
Innsbruck bis Reschen
Dem Radweg folgend lohnt ein Abstecher ins Kloster Stams und die Übernachtung in Haiming (Landhaus Helene). Hier haben wir kurzfristig eine Raftingtour (www.frankenhauser-rafting.com) durch die Imster Schlucht für den kommenden Tag gebucht. Ein grandioser Wasser-Spass mit Thrill-Faktor, insbesondere der anschliessende Sprung von der 8 Meter Brücke in den reissenden Fluss .
Weiter nach Landeck, der Regional-Hauptstadt ohne Charme. Von Landeck bis Pfunds folgt eine sehr schöne Strecke mit ständigem Auf und Ab durch Wald und Felder. Pfunds und Nauders, die beiden letzten Orte in Österreich sind ganz nett anzuschauen und lohnen die Übernachtung
Reschen, Reschenpass bis Bozen
Reschen, der erste Ort auf italienischer Seite ist eher ein verschlafenes Nest. Da lohnt die Zwischenübernachtung eher in Österreich. Der Reschensee mit seiner Attraktion des versunkenen Kirchturms ist bei 8 Grad Regen kein Ort zum Verbleiben. Einzig das kleine Schlösschen am Seeufer überzeugt durch einfache Küche mit bester Seeterrasse. Glücklich wer dort eines der beiden Zimmer belegen kann.
Ab dem Reschensee verfolgen wir de Fluss „Etsch“, der sich von hier oben bis nach Verona schlängelt. Nach Meran fahren wir stetig bergab durch schöne Dörfer, die allesamt eine Einkehr lohnen. Zu erwähnen sei hier das Örtchen Mals (wo die deutsche Nationalmannschaft 1990 ihr Trainingslager zur Italien WM hatte, nur so am Rande bemerkt), wegen des sehr angenehmen Bio-Hotel Panorama (www.hotel-panorama-mals.it) und der guten Verpflegung wegen. Auch das Örtchen Schlanders macht einen sehr lebendigen und angenehmen Eindruck. Der Radweg führt fast ausnahmslos durch Apfelplantagen, dutzende von Kilometern. Mit dem Rückenwind geht’s gut voran, die Äpfel schmecken saftig und die Weine bei den Zwischenstopps flutschen gut.
Meran ist eine elegante kleine Stadt und macht richtig Spass. Tolle Fluss-Promenade bietet schon mediteranes Flair, viele Cafes und Kneipen laden ein, einen Aperol-Spritz zu geniessen (probiert es aus). Hier sollte auch eine Pause eingelegt werden um die neue Therme, mitten im Zentrum zu besuchen. Olle Kurbäder waren gestern. Architektonisch interessant, modern gestaltet und mit faszinierendem Blick auf die Bergwelt kann man hier einen entspannten Tag verbringen (http://www.thermemeran.it) .
Von Meran nach Bozen ist dann auch nicht mehr weit. Wieder durch Apfelplantagen (hier haben wir nicht den offizielle Radweg ein wenig langweilig direkt am Fluss gewählt) und den netten Dörfchen geht es auf unglaublichen Rad-Autobahn-Systemen bis ins Zentrum von Bozen. Bozen haben wir nicht wirklich gut entdecken können, da wir von hieraus schnell zu Freunden in eine Berghütte auf über 2000 M. aufgebrochen sind, wo wir dem heissen Tal für 2 Tage entfliehen konnten.
Bozen bis Verona, über Kalterer See und Gardasee
Auch von Bozen wählten wir den lohnenswerten aber beschwerlichen Umweg über den Kalterer See. Eine Badepause im kleinen Montiggler See erfrischt auf dem Weg nach Salurn, der Sprachgrenze in Südtirol. Ab hier geht es nur noch mit italienisch weiter. Obwohl die Aussicht auf die Berge immer wieder gefällt, ist der Radweg entlang des Flusses und vis-a-vis der Autobahn monoton und langweilig zu fahren. Ein Abstecher ins schöne Trento entschädigt ein wenig, die Strecke wird dadurch allerdings nicht interessanter.
Da lag die Entscheidung nahe, über den Gardasee auszuweichen. Die Strecke dorthin ist ab Mori gut ausgeschildert. Beim ersten Anblick des Sees oberhalb von Torbole hüpft Freude ins Radlerherz. Eine rasante Abfahrt zum See macht dann umso mehr Spass. Am Gardasee ist man gut beraten ein paar Tage Pause einzulegen in einem der netten Orte am See. Hierbei sollten allerdings die Uferstrassen am See gemieden werden. Der Verkehr ist enorm und in den vielen Tunnel ist man als Radfahrer den LKW und PKW ausgeliefert. Angenehmer und schneller sind die Fähren auf dem See. Zwar ist die Beratung und der Fahrkartenkauf an den Verkaufsstellen das Unfreundlichste was mir in Italien begegnet ist, aber das Ergebnis ist traumhaft. Mit Übernachtungspause im romantischen Limone, im Hotel Baldo mitten im Ort, haben wir den ganzen See in 7 Stunden Mini-Kreuzfahrt bewältigt.
Die Weiterfahrt nach Verona gestaltet sich schwierig. Die Strecke entlang der Hauptstrasse ist nicht empfehlenswert. Der Zug ist eine Alternative, oder der beschwerliche Weg über Feldwege und Nebenstrassen, den wir bevorzugten.
Verona
Ziel, angekommen, glücklich – 500 Km Radfahrt enden bei Davide im sehr gemütlichen B&B al Quadrifoglio. Als Höhepunkt natürlich die Arena di Verona (http://www.arena.it) mit der Oper Madame Butterfly von Puccini. Auch wenn dies nicht unsere Lieblingsoper ist, war das Erlebnis umwerfend. Zu empfehlen sind hier die unnummerierten Plätze der „gradinate“ im Abschnitt E der Akustik wegen. Mit Sitzkissen, Picknick und Vino (in Plastikflaschen) ausgestattet, werden die Tore ab 19:00 geöffnet und das grosse Schlemmen fängt für die billigen Plätze an, während das 100 € und 150 € pro-Platz-Publikum lieber noch für 10 € ein Gläschen Sekt vor der Arena schlürft. Die Toiletten-Situation ist angespannt und 3 Stunden Operngenuss ohne elektronische Verstärkung auf 2000 Jahre alten Marmorstufen nicht zu jeder Minute ein Genuss aber definitiv sein Geld wert.
Doch Verona hat noch mehr zu bieten, z.B. die schönste Kirche der gesamten Tour. Nicht der Dom oder die grossen Stadtkirchen sondern die kleine „San Maria in Organo“ mit ihren unglaublichen Intarsienarbeiten. Das Castel San Pietro bietet neben einer tollen „Schloss-Bar“ (im Innenhof) den besten Picknickplatz mit Blick über die Stadt. Die ganze Geschichte um Romeo und Julia ist gnadenlos überbewertet und ein grosser Touristennepp. Das Haus der Julia ist der unromantischste Ort in ganz Italien. Wer seiner Geliebten dort den Heiratsantrag macht, tut dies zwischen Dutzenden japanischer und amerikanischer Touristen, die im Akkord der armen vergoldeten Julia ihre Pfoten auf die bereits abgegrabschte Brust legen.
Fazit:
Die einfachste und schönste Alpenüberquerung, auch für ungeübte Radfahrer
Donnerstag, 18. Juni 2009 at 12:35
Was sollen wir sagen?
Ich habe gerade heute im Juni 2009, diese Web-Seite entdeckt, und ich bin sehr glücklich und zufrieden für die netten Worte Sie über unserem Haus “Al Quadrifoglio B&B” geschrieben haben.
Ein schöneres Geschenk könnten wir nicht bekommen, zumal Sie haben den 1ten. August 2006, der Tag meines Geburtstag es geschrieben.
Nochmals vielen Dank.
Giusy & Davide Dentelli
Al Quadrifoglio B&B
Verona
Donnerstag, 30. Juni 2011 at 15:23
habt ihr villeicht eine karte von dieser tour ich finde im net leider keine!! wenn ja bitte sei doch so nett und schicke sie mir auf meine mail addi ich wäre sehr dankbar!!
Samstag, 5. November 2011 at 16:29
Hallo ich habe leider nicht die ganze Toure absolviert. Ich habe vor einem Jahr meinen Urlaub in Latsch im Vinschgau verbracht. Untergebracht war ich im Hotel Jagdhof, von dort aus habe ich eine Radtoure nach Meran und hinunter nach Bozen unternommen. Ich muss sagen die Landschaft in diesem Teil der Strecke ist wirklich super, und das Hotel Jagdhof hat mir bei meiner Routen Planung auch Tatkräftig zur Seite gestanden.
Donnerstag, 10. November 2011 at 08:53
Hallo,
da hier über Radrouten in und um Südtirol geschrieben wird wollte ich euch auf eine Internetseite aufmerksam machen von der man GPS Daten, Digitale Karten, Apps usw. zu Südtirol runterladen kann. Beispielsweise führe ich hier eine Radroute von Brenner nach Bozen an aber es gibt 100 andere Routen, Mountainbike, Rennrad usw.:
http://sentres.com/suedtirol/tour/radtour/brenner-bozen-gesamtstrecke/karte-wegbeschreibung-gps
Ich selbst, als Südtiroler nutze dieses Portal sehr stark, vor allem um meine Freundin durch die Ansicht des Höhenprofils zu überzeugen, dass diese oder jene Radtour doch machbar ist :)